Falten

2007-2009
Die Bilder zeigen monochrome Flächen, die aus weissem zerknüllten Papier bestehen und sich bis über den Bildrand hinaus ins Unendliche zu erstrecken scheinen. Bei genauer Betrachtung stellt man fest, dass die Sequenz von Wölbungen und Senkungen der Papierfalten eine unnatürlich anmutet Konstruktion ergeben. Die Übergänge einzelner Formen im Bild decken eine Unmöglichkeit der Materialbeschaffenheit auf, womit sich das Bild als digitales Arrangement offenbart.
Feser hat tausende von A4-Papieren behutsam von Hand zerknüllter, im einzelnen immer wieder veränderte Papiergebilde geschaffen und dann fotografiert, um dann aus diesem Archiv etliche Exemplare digital zu Faltenlandschaften zu verknüpfen.
Die bildbestimmenden Elemente sind das Licht, der Schatten und das Papier. Sie beschreiben auf sehr reduzierte Art und Weise die Grundelemente der Fotografie. Durch den Prozess der digitalen Komposition werden die einzelnen Formen zu malerischen, frei kombinierten Versatzstücken. Fesers Bilder kombinieren skulpturale, fotografische und zeichnerische Arbeitsweisen, um Bilder zu erzeugen, die keinen Referenten in der Wirklichkeit mehr haben.
Hiermit steht die Arbeit von Feser in der Tradition der abstrakten Fotografie. Allerdings erweitert die Künstlerin diesen Ansatz um die Möglichkeiten digitaler Intervention. Sie setzt die digitalen Werkzeuge in einem langwierigen, oft Monate andauernden Prozess ein, um Bilder zu schaffen, die eine fast malerische Anmutung haben. Die Komposition entsteht, indem die Künstlerin aus unzähligen, übereinandergelegten Ebenen einzelner Fotografien, Übergänge und Struktur freilegt und neu miteinander verbindet, ohne dabei der Logik der Materialität zu folgen.
Bereits in den vorangegangenen Arbeiten von Christiane Feser untersucht sie die Funktion von digitaler Fotografie, sowohl im Bezug auf deren erweiterte technische Möglickeiten, als auch deren mediale Rezeption. Mit den Techniken der Kaschierung, Überlagerung und Inversion fügt sie das Unvereinbare zusammen. Dieses Wechselspiel von Reproduktion und Wirklichkeit spiegelt die Kultur des allgegenwärtigen digitalen Bildes wider.